Als Untermieter der Allianz

Die Berliner Bevölkerung wuchs von 827.000 im Jahre 1871 auf über 2 Millionen im Jahre 1912. Die enorme Entwicklung der Gründerjahre führte auch zahlreiche Banken und Versicherungen nach Berlin, die sich verstärkt in der Nähe des Regierungsviertels niederließen.

Auch die "Allianz und Stuttgarter Verein Versicherungs-Aktien-Gesellschaft Berlin" hatte im Bereich der Kanonier-, Mohren-, Mauer- und Taubenstraße Grundstücke erworben und bebaut. Leonhard Leffkowitz verkaufte 1928 sein Grundstück an die Versicherung für deren Erweiterungsbau. Die Apotheke bezog dann Mieträume an der südlichen Seite des Allianz-Generaldirektionsgebäudes in der Kanonierstraße 45. Diese Adresse ist identisch mit der später verwendeten Adresse Mohrenstraße 63/64.

Für die Engel-Apotheke hatte man damit eine ideale Lage gefunden. Gegenüber lag die Dreifaltigkeitskirche, halbrechts das Hotel Kaiserhof, rechts der Wilhelmplatz mit den Regierungsgebäuden und direkt vor der Tür die U-Bahnstation Kaiserhof (heute Mohrenstraße).

Am 31. Oktober wurde die Apotheke eröffnet, was in der "Pharmazeutischen Zeitung" gebührende Beachtung fand:

Wir hatten kürzlich Gelegenheit, zwei Berliner Apotheken zu besichtigen. Über die dabei gewonnenen Eindrücke soll hier berichtet werden. Bei der einen Apotheke handelt es sich um die Verlegung der Leffkowitzschen Engel-Apotheke zu Berlin aus den Alten Räumen der Kanonierstraße 44 in neue Räume in der Kanonierstraße 45, Ecke Mohrenstraße….

…Die Engel-Apotheke liegt nunmehr (…) in einem Eckhaus. Auf der Abbildung sind die vier Schaufenster nach der Kanonierstraße zu sehen, der Eingang selbst und zwei weitere Schaufenster (…) liegen nach der Mohrenstraße gegenüber der Dreifaltigkeitskirche. Die Lage der Apotheke in unmittelbarer Nähe eines der Brennpunkte des Berliner Fremdenverkehrs, des Kaiserhof-Hotels und der Wilhelmstraße, ließen es geboten erscheinen, dieser Apotheke ein Äußeres zu geben, das in diesen Rahmen hineinpasste. Dieses Vorhaben wurde durch die wuchtige Sandsteinfassade des Hauses erleichtert. Betritt man die Offizin von der Mohrenstraße her, so befindet man sich in einem fast quadratischen, über 100qm großen und über 6m hohen Raume, der schon durch seine Abmessungen einen ganz außerordentlichen Eindruck hervorruft. Der ganze Raum ist in dunkelbraun und mattsilber gehalten, die gesamte Holzausstattung ist aus kaukasischem Nussbaumholz gearbeitet, mattsilber ist die Farbe der Decke und Wände, und sie ist dadurch hervorgebracht worden, dass Wände und Decke mit Aluminiumfolie belegt und mit Zaponlack überzogen wurde. In halber Höhe zieht sich an zwei Wänden der Offizin eine breit ausladende Holzgalerie entlang, die von der Offizin aus über die (…) breite Treppe erreichbar ist. Von der Eingangstür links der Treppe befindet sich die homöopathische Abteilung, vor der Treppe liegt die Kasse, und den übrigen Raum zur Rechten der Treppe nehmen Handverkaufstisch und Rezeptur ein. Die Rezeptur selbst ist für das Publikum unsichtbar angelegt und bietet drei Rezeptaren ausreichend Arbeitsraum. Die Längswand der Offizin unterhalb der Galerie ist zu einer Ausstellung pharmazeutischer Spezialitäten ausgestaltet, während auf der Galerie selbst eine Ausstellung und ein Verkaufsplatz für kosmetische Präparate und Parfümerien vorgesehen sind. Unterhalb der Galerie zieht sich ein durch Mattglas verdeckter Beleuchtungskörper hin. Die Decke trägt zahlreiche stabförmige Beleuchtungskörper aus Glas und silberglänzendem Metall.

In ihren durchaus einheitlich gehaltenen Schaufenstern stellt die Apotheke neben eigenartigen Schaugefäßen stets nur je eines ihrer Erzeugnisse aus.

Es ist den Herren Apothekenbesitzer Leffkowitz und Verwalter Mauerer in Gemeinschaft mit den Architekten Heerwagen, Berlin Tempelhof, Blumenthalstr. 9, gelungen, eine Offizin zu schaffen, wie sie in dieser durch stärksten Fremdenverkehr ausgezeichneten Gegend Berlins kaum eindrucksvoller gedacht werden kann. Für den Fachmann ist das Äußere dieser Offizin ein Vorbild, bei dem Laien und insbesondere dem Ausländer, wird sie zweifellos nachhaltigen Eindruck hervorrufen…

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